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Ti amo Amarone

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Zu Besuch bei Mister Amarone

Wir sind in den heiligen Hallen des Amarone. Genau genommen auf dem Dachboden des Mister Amarone (alias Sandro Boscaini) bei MASI. Es riecht unglaublich gut – nach der Süße getrockneter Trauben, nach Holz und nach Spätsommer. Aber im Mai ist es nur noch der Nachhall von monatelangem Austrocknen der Trauben. Längst ist alles gereinigt und wartet auf den nächsten Einsatz.

Der besagte Dachboden befindet sich in Venetien im Anbaugebiet Valpolicella Classico. Hier kommt er her  – der Amarone.

Ein weltweit bekannter italienischer DOCG-Rotwein aus getrockneten Trauben der Rebsorten Corvina, Rondinella und Molinara. Ein trockener Wein, obwohl die Trauben fast als Rosinen verarbeitet werden. Sozusagen die trocken ausgebaute Variante des Recioto, der im gleichen Gebiet angebaut wird. Beiden gemeinsam ist eine mehr oder weniger starke Bitterkeit im Nachhall – daher leitet sich auch der Name aus dem italienischen amaro = bitter ab.


Warum Vergessen manchmal gut ist

Der Legende nach ist die Entstehung des Amarone in den 1930er Jahren einem schusseligen Kellermeister zu verdanken, der schlichtweg vergessen hatte, dass noch ein Fass des Recioto im Keller stand. So konnte sich der Restzucker in Alkohol umwandeln und der Rest ist Geschichte.

Zurück zum beachtlich großen Dachboden, der voller Holzregale steht. Genaugenommen 250 Stück. Kein Platz wird vergeudet. Man mag es kaum glauben, aber die mit Bambus ausgelegten Regale sind über 60 Jahre lang im Einsatz. Gereinigt werden sie nur mit Dampf und per Handarbeit.


4 Monate von der Traube zur Rosine

Zur Herstellung eines Amarone werden nur die besten Trauben der Region verwendet. Optimale Reife und keinerlei Befall von Fäulnis sind Voraussetzung für die Trauben, um 2 bis 4 Monate je nach Erntezeit ab September bis Januar unter Dächern oder auf dem Dachboden auf Holzgittern getrocknet zu werden. Diesen Vorgang bezeichnet man als appassimento. Während des Trocknungsprozesses werden die Trauben immer wieder gedreht und gewendet, faulende herausgelesen und dabei verlieren sie mindestens die Hälfte teilweise sogar bis zu drei Viertel der enthaltenen Flüssigkeit.

Fast schon als Rosinen werden sie dann gemahlen und eingemaischt. Nach ca. 20 Tagen beginnt die alkoholische Gärung, die sich bei niedriger Temperatur sehr langsam vollzieht und etwa 50 Tage dauert. Der hohe Zuckergehalt der Trauben führt zu relativ hohen Alkoholwerten von bis zu 16 % Vol.


Noch Jahre bis ins Glas

Nach der alkoholischen Gärung reift der Amarone noch mindestens 2 Jahre in kleinen Eichenfässern. Top-Jahrgänge können bis zu 8 Jahre im Fass reifen, was sich dann auch deutlich im Preis niederschlägt. Bei MASI werden den Jahrgängen Sterne vergeben. Die 5-Sterne-Jahrgänge gehen zum Teil nicht in die direkte Vermarktung, sondern dürfen noch lange im Keller bleiben. Was zu beeindruckenden Wänden führt, die mit den kostbaren Flaschen gefüllt sind.

Während der Reifung im Fass kommt es durch den immer noch vorhandenem Restzucker zu wiederholten Gärphasen, welche den Alkoholgehalt der Weine beeinflussen. Bei der Abfüllung muss der Amarone jedoch weitgehend trocken sein, so die Regel für den Wein. Es wird auch ein Amarone Riserva abgefüllt, dies allerdings nur wenn der Jahrgang besonders vielversprechend ist.


… ein Meditationswein

Mit ihrem sehr eigenwilligen Charakter erschließen sich diese Weine selbst dem Weinkenner nicht sofort. Von der Farbe tiefrot ähneln sie dem Sherry und haben ein süßliches Bukett. Ein cremiger, trockener Wein mit den Aromen von Blüten, Kräutern, schwarzen Beeren, Kirschen oder Dörrpflaumen. Kennzeichnend für den Amarone ist die leichte Bitterkeit des Weines, die durch die harten Tannine verursacht wird.

Dieses Procedere lässt schon erahnen, worum Weine mit solcher Wucht und Fülle und hohem Alkoholgehalt entstehen. Dadurch ist es auch ein sehr langlebiger Wein, der bis zu 30 Jahre in der Flasche reifen kann und dabei weiter seine wundervollen Aromen verändert. Wie unsere Weinführerin Dora so liebevoll sagte: Ein Meditationswein. So eindrucksvoll und bei jedem Schluck mit neuen Entdeckungen, dass er ganz für sich alleine stehen kann.

Der Amarone gilt übrigens neben dem Barolo und dem Brunello di Montalcino als einer der drei großen Rotweine Italiens.


Last but not least …

“Mille gracie” an Dora Stopazzolo von MASI …

 

… für die Zeit, die sie uns gewidmet hat

… für die vielen spannenden Informationen rund um die MASI-Weingüter

… und vor allem für die spürbare Leidenschaft zu den Weinen, zur Historie und zu den Traditionen des Hauses.

http://www.masi.it/

Comments 1

  1. Anonymous

    Die Geschichte des Amarone ist schon bemerkenswert. Wie so eine Kleinigkeit so einen tollen Rotwein hervorbringen kann. Ich trinke den Amarone sehr gerne. Auch die Regal, welche 60 Jahre alt sind, sehen Top aus und ich habe echt gedacht, dass diese jünger wären. Die Bilder gefallen mir auch sehr gut. Tolle Arbeit =)

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